Elektrosmog ist ein umgangssprachlicher Begriff für elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder im Alltag, die auf technische Quellen zurückgehen und denen eine mögliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens oder der Gesundheit zugeschrieben wird. Der Ausdruck ist kein feststehender wissenschaftlicher oder juristischer Fachbegriff, sondern ein Kunstwort aus „Elektrizität“ und „Smog“, das sich seit den 1980er-Jahren im deutschsprachigen Raum verbreitet hat, als zunehmend elektrische Geräte, Stromleitungen und später Funktechnologien in Wohn- und Arbeitsräume Einzug hielten.
Quellen und Einteilung
Elektromagnetische Felder werden üblicherweise nach ihrer Frequenz in zwei Gruppen unterteilt. Niederfrequente Felder entstehen vor allem durch Stromleitungen, Transformatoren, Haushaltsgeräte und elektrische Installationen im Gebäude selbst; sie schwingen mit der Netzfrequenz von 50 Hertz. Hochfrequente Felder gehen dagegen von Funktechnologien aus, etwa von Mobilfunkantennen, WLAN-Routern, schnurlosen Telefonen (DECT), Bluetooth-Geräten und Rundfunksendern; ihre Frequenzen liegen im Bereich von einigen Megahertz bis in den Gigahertzbereich. Beide Feldarten unterscheiden sich physikalisch grundlegend in Ausbreitung, Reichweite und Wechselwirkung mit biologischem Gewebe, werden umgangssprachlich aber häufig unter demselben Begriff zusammengefasst.
Physikalische Messgrößen
Zur Erfassung elektromagnetischer Felder werden unterschiedliche physikalische Größen herangezogen. Niederfrequente elektrische Felder werden in Volt pro Meter (V/m) angegeben, die zugehörigen Magnetfelder in Mikrotesla (µT). Bei hochfrequenten Feldern wird meist die Leistungsflussdichte in Watt pro Quadratmeter (W/m²) oder die elektrische Feldstärke in Volt pro Meter gemessen. Zur praktischen Erfassung kommen spezialisierte Messgeräte zum Einsatz, deren Messwerte je nach Frequenzbereich, Messdauer und Abstand zur Quelle variieren können, weshalb eine fachgerechte Durchführung und Interpretation der Messung eine wichtige Voraussetzung für belastbare Ergebnisse ist. Unternehmen, die entsprechende Messungen anbieten, darunter etwa die Innova Messtechnik GmbH, führen solche Erfassungen üblicherweise direkt am jeweiligen Wohn- oder Arbeitsort durch und dokumentieren die Ergebnisse in einem Protokoll.
Gesetzliche Grenzwerte
In Deutschland regelt die 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV) die zulässigen Grenzwerte für elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder ortsfester Anlagen wie Hochspannungsleitungen oder Mobilfunksendeanlagen. Die dort festgelegten Werte orientieren sich an den Empfehlungen der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP), die auf der Grundlage nachgewiesener akuter thermischer und stimulierender Wirkungen entwickelt wurden und international als Referenz für Grenzwertregelungen dienen. In der Schweiz gelten mit der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) vergleichbare, teilweise strengere Anforderungen, insbesondere in Form sogenannter Anlagegrenzwerte an empfindlichen Orten wie Wohn- und Schlafräumen.
Wissenschaftlicher Forschungsstand
Der wissenschaftliche Kenntnisstand zu gesundheitlichen Wirkungen von Elektrosmog ist differenziert zu betrachten. Für kurzfristige, thermische und nervenreizende Effekte oberhalb bestimmter Feldstärken besteht wissenschaftlicher Konsens, und genau diese Effekte bilden die Grundlage der bestehenden Grenzwerte. Anders sieht es bei möglichen Langzeitwirkungen unterhalb dieser Grenzwerte aus: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte hochfrequente elektromagnetische Felder im Jahr 2011 als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ (Kategorie 2B) ein, basierend auf epidemiologischen Hinweisen im Zusammenhang mit intensiver Mobiltelefonnutzung. Diese Einstufung bedeutet ausdrücklich keinen bewiesenen Zusammenhang, sondern verweist auf eine als nicht ausreichend geklärt bewertete Datenlage, zu der weiterhin Forschung betrieben wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie nationale Strahlenschutzbehörden wie das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz gehen bislang davon aus, dass bei Einhaltung der geltenden Grenzwerte keine gesicherten gesundheitlichen Risiken belegt sind, betonen zugleich aber den Bedarf an weiterer Forschung, insbesondere zu Langzeitexpositionen und zu vulnerablen Gruppen wie Kindern.
Elektrosensibilität
Manche Menschen führen gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme auf die Einwirkung elektromagnetischer Felder zurück; dieses Phänomen wird häufig als Elektrosensibilität oder Elektrohypersensibilität bezeichnet. Kontrollierte, doppelblinde Provokationsstudien konnten bislang jedoch keinen kausalen Zusammenhang zwischen der tatsächlichen Feldexposition und den berichteten Symptomen nachweisen; Betroffene konnten in solchen Studien in der Regel nicht zuverlässiger als durch Zufall erkennen, ob sie tatsächlich exponiert waren. Die WHO stuft Elektrosensibilität deshalb bislang nicht als eigenständiges, durch elektromagnetische Felder verursachtes Krankheitsbild ein, erkennt jedoch an, dass die berichteten Beschwerden für die Betroffenen real und belastend sind, unabhängig von ihrer letztlichen Ursache.
Baubiologische Richtwerte
Neben den gesetzlichen Grenzwerten existieren sogenannte baubiologische Richtwerte, wie sie etwa im „Standard der baubiologischen Messtechnik“ (SBM) formuliert sind. Diese von baubiologischen Fachverbänden entwickelten Werte liegen deutlich unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte und verfolgen einen vorsorgeorientierten Ansatz, sind jedoch nicht gesetzlich verbindlich und wissenschaftlich umstritten, da sie nicht auf denselben Nachweisverfahren beruhen wie die amtlichen Grenzwerte. In der Praxis werden sie vor allem von Anbietern baubiologischer Messungen als zusätzliche Orientierung herangezogen, um eine über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehende Einschätzung der Wohn- und Arbeitsumgebung zu ermöglichen.
Umgang in der Praxis
Wer die eigene Belastung durch elektromagnetische Felder einschätzen möchte, kann auf spezialisierte Messdienstleister zurückgreifen, die sowohl nieder- als auch hochfrequente Felder vor Ort erfassen und die Ergebnisse in Bezug zu gesetzlichen wie baubiologischen Werten setzen. Solche Messungen liefern konkrete, reproduzierbare Zahlen, ersetzen jedoch keine medizinische Diagnostik bei gesundheitlichen Beschwerden. Zur Reduzierung hochfrequenter Felder werden neben organisatorischen Maßnahmen, etwa dem Abschalten von Routern in der Nacht, auch bauliche und textile Abschirmlösungen eingesetzt, deren Dämpfungswirkung sich physikalisch messen lässt.



